Konstruktivismus & Systeme (abgeschlossen)

Beobachter erster Ordnung beobachten w a s sie beobachten. Sie sehen alles. Alles was sie sehen. Beobachter zweiter Ordnung beobachten w i e beobachtet wird. Sie sehen auch, was die anderen nicht sehen. Deren "Blinden Fleck". Nur was sie selber nicht sehen, dass sehen sie nicht. Wie wird Realtität trotz des Wissens um Nicht-Wissen immer wieder neu stabil konstruiert? Wie kann man Realität beobachten? Und was heißt dies für das Denken?

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Ernährungssoziologe mit den Schwerpunkten: Ernährungskultur, Ernährungssoziologie, Ernährungsethnologie, Kulinarisches Kino, Agrarsoziologie, Agrarpolitik, Soziologie des Kulinarischen, Ernährungstrends, Ernährungsstile, Gesundheit & Gesundheitswahn, Medizin, Sebstvermessungstechniken, Self-Tracking, Kommunikation, Kultur, Konsum, Gastronomie // mehr Infos unter: http://www.APEK-CONSULT.de

Freitag, Mai 26, 2006

Die Form der Differenz

Man sagt "Wahrheit" und meint gleichzeitig "Unwahrheit" mit. Man spricht von "Informiertheit" und verweist auf "Unsicherheit". Man schreibt "Erfüllung" und schreibt "Enttäuschung" gleich mit. "Inklusion" verweist auf "Exklusion" und nicht auf "mehr oder weniger Inklusion". Von den Idealtypen mit nur einem Variablenwert verabschieden wir uns und unterscheiden - wild in den Raum / die Welt - und bezeichnen die Form mit den zwei Seiten.



Die vertikale Linie unterscheidet zwei Seiten, die horizontale Linie bezeichnet eine (nur eine!) der beiden Seiten. Doch das die eine Seite bezeichnet/beobachtet wird, lässt die andere nicht verschwinden, sondern macht sie zu "der anderen" Seite.

[Eine funktional sehr gute Unterscheidung ermöglicht es, alle unendlichen Möglichkeiten des Weltgeschehens auf einer der beiden Seiten zu verorten. Eine Erwartung ist entweder "Erfüllt" oder "Enttäuscht", aber es gibt keine Bandbreite mehr, nur noch: das ausgeschlossene Dritte: den Beobachter. So das eine Erwartung für BeobachterA zwar eine Enttäuschung, für BeobachterB aber eine Erfüllung darstellt.]

Das die eine Seite der Form auf die andere verweist, macht sie zu einer selbstbezüglichen Form. Aus der Möglichkeit die Seiten der Bezeichnung zu wechseln, ergibt sich eine Operationsmöglichkeit, die allerdings auf Zeit angewiesen ist, da man zwar mit "Inklusion" auf "Exklusion" verwiesen hat, aber doch "Inklusion" beschreibt, was zwar auch die Seite der "Exklusion" verändert (indem sich für diese Seite alles das verändert, was eine Bedeutung für "Inklusion" besitzt) aber nicht beschrieben wird, was eine Bedeutung für "Exklusion" darstellt.

Gerade das "Bedeutung haben" ist aber kein Identitätsfaktor für die zweiseitige Form mit der Grenze in der Mitte der beiden Seiten aufeinander verweisen, sondern die Form,die aufgrund ihrer Selbstbezüglichkeit bistabil ist, wird mit der Möglichkeit ihre beiden Seiten zu kreuzen, in Operationen angewandt. Und erst durch diesen Gebrauch, bestimmen sich beobachtete Phänomene im Lichte des Beobachters (der diese eine bestimmte Form benutzt). Identitäten liegen nicht in den Phänomenen, sondern werden ihnen zu geschrieben.



Die Einheit der Unterscheidung - und da hat Luhmann auch noch mal den Kontrast zu Hegel hervorgehoben - kann die Form nicht selbst realisieren (Hegels "Begriff" kann das wohl, durch einen höheren, geistigen Sinn). Ihre Einheit liegt in dem, am Anfang erwähnten, wilden Unterscheiden, dass das Unterscheiden eines Beobachters ist. Will man die komplette Form negieren, braucht man eine nächste Unterscheidung, in die diese Einheit der Unterscheidung als eine Seite der Unterscheidung miteingeht. (Aber selbstverständlich ist auch diese "nächste" Unterscheidung, wieder nur eine Seite einer Unterscheidung).



Wenn es nun zu einem Entfalten des zirkulären Aufeinaderverweisens kommt, sprechen wir von reentry: Der Einstig der Form in die Form selbst. Es kommt dann dabei zu Erkenntnissen, wenn Redundanzen, d.h. Wiedererkennbares erzeugt wird. Das muss ebenfalls nicht bedeuten, dass ein äußeres Phänomen bestimmte Eigenschaften besitzt, aber das System der Form der Unterscheidung errechnet immer wieder gleiches auf bestimmte Eigenaktionen und kann daraufhin Erwartungen (=Strukturen) bilden.


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Literatur:

Luhmann, Niklas: Die Unterscheidung von System und Umwelt; in: ders.: Die Ges. der Ges.
Luhmann, Niklas: Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus; in: ders.: Soz. Aufklärung5
Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien