Konstruktivismus & Systeme (abgeschlossen)

Beobachter erster Ordnung beobachten w a s sie beobachten. Sie sehen alles. Alles was sie sehen. Beobachter zweiter Ordnung beobachten w i e beobachtet wird. Sie sehen auch, was die anderen nicht sehen. Deren "Blinden Fleck". Nur was sie selber nicht sehen, dass sehen sie nicht. Wie wird Realtität trotz des Wissens um Nicht-Wissen immer wieder neu stabil konstruiert? Wie kann man Realität beobachten? Und was heißt dies für das Denken?

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Ernährungssoziologe mit den Schwerpunkten: Ernährungskultur, Ernährungssoziologie, Ernährungsethnologie, Kulinarisches Kino, Agrarsoziologie, Agrarpolitik, Soziologie des Kulinarischen, Ernährungstrends, Ernährungsstile, Gesundheit & Gesundheitswahn, Medizin, Sebstvermessungstechniken, Self-Tracking, Kommunikation, Kultur, Konsum, Gastronomie // mehr Infos unter: http://www.APEK-CONSULT.de

Dienstag, Mai 30, 2006

Einen Zettelkasten mit lauter auf sich selbst verweisenden Querverweisen habe ich auch. Der besteht aber ausschließlich aus Zitaten (+Literaturhinweis).

Der "Form der Differenz"-Zettel dagegen ist für mich eine andere Methode Theoriewissen zu prozessieren, indem ich von mir überlegtes (natürlich aus anderem herausunterschiedenes) in einem Kontext verfügbar mache und diesen + weiterführende Literatur zu dem Thema anwähle, wenn ich auf der Suche bin. Dank elektronischer Suchmaschinen ist es ja kein Problem mehr, nach Stichwörtern in vielen Dokumenten/Zetteln zu suchen.

Bibliotheken sind für mich auch riesige Zettelkästen. Das Internet ist auch einer. Beide sind natürlich individuell nutzbar und führen so zu individuellen Ergebnissen, eigene Zettelkästen enthalten halt auch individuelle Strukturierungen und die Querverweise sind ja auch immer auf den Ersteller zuzurechnen. Das könnte sich aber mit dem Digitalisieren von Büchern und dem öffentlich zugänglichmachen dieser Texte auch ändern. ... Im Zuge von immer einfacherer Digitalen Videobearbeitung könnte es ja auch visuelle Zettel-/Videokästen geben...

Freitag, Mai 26, 2006

Die Form der Differenz

Man sagt "Wahrheit" und meint gleichzeitig "Unwahrheit" mit. Man spricht von "Informiertheit" und verweist auf "Unsicherheit". Man schreibt "Erfüllung" und schreibt "Enttäuschung" gleich mit. "Inklusion" verweist auf "Exklusion" und nicht auf "mehr oder weniger Inklusion". Von den Idealtypen mit nur einem Variablenwert verabschieden wir uns und unterscheiden - wild in den Raum / die Welt - und bezeichnen die Form mit den zwei Seiten.



Die vertikale Linie unterscheidet zwei Seiten, die horizontale Linie bezeichnet eine (nur eine!) der beiden Seiten. Doch das die eine Seite bezeichnet/beobachtet wird, lässt die andere nicht verschwinden, sondern macht sie zu "der anderen" Seite.

[Eine funktional sehr gute Unterscheidung ermöglicht es, alle unendlichen Möglichkeiten des Weltgeschehens auf einer der beiden Seiten zu verorten. Eine Erwartung ist entweder "Erfüllt" oder "Enttäuscht", aber es gibt keine Bandbreite mehr, nur noch: das ausgeschlossene Dritte: den Beobachter. So das eine Erwartung für BeobachterA zwar eine Enttäuschung, für BeobachterB aber eine Erfüllung darstellt.]

Das die eine Seite der Form auf die andere verweist, macht sie zu einer selbstbezüglichen Form. Aus der Möglichkeit die Seiten der Bezeichnung zu wechseln, ergibt sich eine Operationsmöglichkeit, die allerdings auf Zeit angewiesen ist, da man zwar mit "Inklusion" auf "Exklusion" verwiesen hat, aber doch "Inklusion" beschreibt, was zwar auch die Seite der "Exklusion" verändert (indem sich für diese Seite alles das verändert, was eine Bedeutung für "Inklusion" besitzt) aber nicht beschrieben wird, was eine Bedeutung für "Exklusion" darstellt.

Gerade das "Bedeutung haben" ist aber kein Identitätsfaktor für die zweiseitige Form mit der Grenze in der Mitte der beiden Seiten aufeinander verweisen, sondern die Form,die aufgrund ihrer Selbstbezüglichkeit bistabil ist, wird mit der Möglichkeit ihre beiden Seiten zu kreuzen, in Operationen angewandt. Und erst durch diesen Gebrauch, bestimmen sich beobachtete Phänomene im Lichte des Beobachters (der diese eine bestimmte Form benutzt). Identitäten liegen nicht in den Phänomenen, sondern werden ihnen zu geschrieben.



Die Einheit der Unterscheidung - und da hat Luhmann auch noch mal den Kontrast zu Hegel hervorgehoben - kann die Form nicht selbst realisieren (Hegels "Begriff" kann das wohl, durch einen höheren, geistigen Sinn). Ihre Einheit liegt in dem, am Anfang erwähnten, wilden Unterscheiden, dass das Unterscheiden eines Beobachters ist. Will man die komplette Form negieren, braucht man eine nächste Unterscheidung, in die diese Einheit der Unterscheidung als eine Seite der Unterscheidung miteingeht. (Aber selbstverständlich ist auch diese "nächste" Unterscheidung, wieder nur eine Seite einer Unterscheidung).



Wenn es nun zu einem Entfalten des zirkulären Aufeinaderverweisens kommt, sprechen wir von reentry: Der Einstig der Form in die Form selbst. Es kommt dann dabei zu Erkenntnissen, wenn Redundanzen, d.h. Wiedererkennbares erzeugt wird. Das muss ebenfalls nicht bedeuten, dass ein äußeres Phänomen bestimmte Eigenschaften besitzt, aber das System der Form der Unterscheidung errechnet immer wieder gleiches auf bestimmte Eigenaktionen und kann daraufhin Erwartungen (=Strukturen) bilden.


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Literatur:

Luhmann, Niklas: Die Unterscheidung von System und Umwelt; in: ders.: Die Ges. der Ges.
Luhmann, Niklas: Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus; in: ders.: Soz. Aufklärung5
Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien

Sonntag, Mai 21, 2006

Die Idee mit dem Glossar finde ich spitze! Werde vielleicht beginnen (m)einen elektro-Zettelkasten dazu zu machen. Denn eine einheitliche Begriffsverwendung finde auch wichtig, denn ...

...Theorie muss Vergleichsmöglichkeiten eröffnen, dass tut sie, indem sie die Überkomplexität der Welt in eine niedrigere Komplexität überführt.
Weiter kann man sagen, dass eine selbstreferentielle Theorie, die sich auch selbst zum eigenen Problem macht, sich immer nur als Resultat von Differenzierungen begreifen muss. Dafür gewinnt sie dabei die Möglichkeit, den Anspruch so erheben, auf ihre Art und Weise (systemspezifisch) alles (soziale in der Soziologie) erklären zu können. (<-- Ich habe hierfür auf das Vorwort von Luhmanns "Soziale Systeme" zugegriffen. )

Ich habe ein wenig in den Beiträgen von v.Glasersfeld und v.Foerster in dem Buch "Einführung in den Konstruktivismus" gelesen und es erscheint mir - so als neuling in den schriften dieser autoren - doch so, als würde es ihnen um eine Erkenntnis-/Wissenstheorie gehen, zumindest lese ich das - aus dem dauernden Hinzuziehen und Absetzen von älteren/anderen Theorien (auch des Subjektivismus/Objektivismus)und dem dagegenformulierten anderen Herangehens-/Beobachtungsweisen - heraus.

Donnerstag, Mai 18, 2006

Auch Luhmann schreibt vom Mitteilenden Alter (der Informationen mitteilt) und Adressat Ego (der versteht und dabei mitteilung und information unterscheidet).

Mit Schreiber/Leser wollte ich dir einen mehrdeutigen Anschlusspunkt zur Verfügung stellen... hat wohl nicht geklappt.

Nicht nur das Idealismus und Konstruktivismus beides Erkenntnistheorien sind, benutzen auch beide die Unterscheidung zwischen Beobachter und Phänomen (während der Objektivismus versucht ein Phänomen von dessen Uweltereignisse isoliert zu betrachten), während der Idealismus aber versucht, eine Einheit durch Dialektik zu finden, während der radikale Konstruktivismus eine Einheit der Unterscheidung von "Erkennen und Erkanntem" als Differenz konstruiert.

Subjektivismus und Konstruktivismus wird nun vielleicht unterstellt, dass sie beide ihren blinden Fleck im Beobachter suchen.

---...

Ach ja, meine Theorie ist Theorie so wie ich sie kommuniziere.... und deswegen würde ich sie immer noch gerne auf Konsistenz prüfen... (obwohl es meiner Ansicht nach eigentlich nicht "meine/deine" Theorie gibt... sondern Theorie wird kommuniziert und wird jenseits von mir/dir diskutiert)
... und wo es für dich langgeht, bestimmst wohl nur du selbst...

Mittwoch, Mai 17, 2006

Ja, mal schauen was "es" (oder "sie") dazu zu Tage bringt...

Die Sender-Empfänger - Metapher ist sicher wenig sinnvoll. Da ja eigentlich nichts abgeben oder gesendet wird(außer vielleicht die von dir erwähnten Elektroimpulse). Besser wäre sicherlich von Schreiber und Leser zu sprechen. Wobei beide sicherlich gleichzeitig Leser eines Post sind, aber nicht Schreiber.

Sozial wäre wohl, dass es auf beide ankommt in diesem Blog. Würde ich mich nur mit mir alleine befassen, würde ich vielleicht denken oder fühlen, aber nicht "kommunizieren", was im Verhältnis zum Denken oder Fühlen ganz andere Möglichkeiten und Einschränkungen mit sich bringt.

Gesellschaft würde ich als einen Kommunikationshorizont beschreiben, auf den die einzelnen Kommunikationsbeiträge verweisen, indem sie so stattfinden können, wie sie stattfinden. Dabei würde ich nicht sagen, dass die einzelnen Kommunikationen nur so stattfinden können wie sie stattfinden, aber sie können nicht unendlich viele Möglichkeiten realisieren.

Dann könnte man vielleicht sagen, dass, wenn Sprache nicht nicht-sinnvoll benutzt werden kann (...ich weiß gerade nicht: Sind Paradoxe nicht doch "nicht-sinnvoll", bis sie entfaltet werden?), die Gesellschaft einen Sinnhorizont zur Verfügung stellt, in dem einzelne Kommunikationen ihre Sprachverwendung mit speziellen Sinnselektionen verwenden können.

...

Erklärungen bilden einen Pool für weitere Erklärungen, meinetwegen auch für solche, die die ersten widerlegen. Warum dass so ist weiß ich nicht. Aber interessant ist, dass verstanden wird (daran anzuschließen) und "wie" wir das machen. Und das wie, um das geht es doch hier... "Wie werden welche Begriffe benutzt?"

...

eine völlig andere Frage an den "Radikalen Konstruktivisten": Wo liegt deiner Ansicht nach eigentlich der Unterschied Subjektivismus/Idealismus zum radikalen Konstruktivismus?

Montag, Mai 15, 2006

Also ich finde es ganz praktisch, dass rein systeminternes, konstruktivistisches Erkennen ( - welches systemintern Erkanntes hervorbringt / konstruiert - ), obwohl es nur systemintern geschieht und keinen Anspruch auf weltbezogene Wahrheit erheben kann, auf der Handlungsebene dennoch sichtbare Erfolge - wie einen funktionierenden Reproduktionsvorgang - konstruiert. ...obwohl man vielleicht sagen könnte, dass das Erkennen von Eva durch Adam bereits eine Operation in einem spezifischen Intimsystem ist...

Was wir hier machen, lässt mich auch staunen ;-).

Es wird versucht, glaube ich, abwechselnd einen sinnhaften Gebrauch von Sprache zu produzieren. Dabei erwartet der Sender jedes Mal, dass ihm der Empfänger seiner Nachricht antwortet, was gleichzeitig signalisiert: "Sender, deine Nachricht wurde empfangen". Eine gewisse Anstrengung scheint es zu bereiten, eine Struktur in die "Kommunikation" zu bringen, da über die Funktion noch keine stabile, sich gegenseitig nicht störende, beiderseitige Verstehensfiktion besteht.

Nicht sozial wäre dieser Blog für mich, wenn ich dich nicht bräuchte für diesen Blog bzw. ich dir keine Mitteilungsabsicht unterstellen würde. Aber für den Fall das du nur eine Halluzination bist - dann bist du eine ziemlich reale...

...ich weiß auch nicht genau, warum ich Gesellschaft konstruieren soll, aber es klappt (bei anderen noch besser als bei mir) meist... (deine Frage erinnert mich, so spontan, irgendwie an den Versuch von Nietzsche, Gott zu töten ... und heute ist nicht Gott, sondern Nietzsche tot...)

Samstag, Mai 13, 2006

Verirren ist für mich ein ungewisser Prozess, aber von produktiver, geradezu: wegweisender Orientierungslosigkeit begleitet. Man weiß nicht welchen Weg man beschreitet und wo man rauskommt und genau das passiert selten genug. Am besten man wird unterwegs noch die Vernunft los - vielleicht könnte eine Prise Surrealismus nicht schaden.

Die Frage, wie es kommt, dass jemand Gesellschaft sieht, wird meines Erachtens durch die Beobachtung der Unterscheidung Gesellschaft\Nicht-Gesellschaft beoabachtet. Man sieht, dass Gesellschaft beobachtet wird und kann nur noch versuchen zu beobachtet was dabei wie beobachtet wird. Eine Gesellschaftstheorie beobachtet immer schon Gesellschaft, sie kann gar nicht anders als Gesellschaft\Nicht-Gesellschaft zu beobachten und kann sich nur noch reflektieren, wie sie ihre Operationen des Beobachtens dieser Unterscheidung mit Blick auf Gesellchaft\ vollzieht.

Gewonnen ist ja damit, dass man "alles" Soziale erklären kann - das von der Theorie als Soziales bezeichnet wird.

Wer keine Gesellschaft beobachten kann, der kann nun mal keine Gesellschaft sehen - und muss auch nicht.

Das wäre jetzt mein - unproffesioneller Tip - den ich einfach so abgebe, ohne Reputationen, ohne in ein Buch gesehen zu haben (weil ich auf Reisen binm und kein passendes (!!) dabei habe), im Dunkel stehend, mit dem Streichholz leuchtend. Bereit mir auch mal den Kopf an einem Ast zu stoßen, während ich dem Licht eines Glühwürmchens, einer Elfe oder dem leuchten eines Streichholzes eines anderen verirrten Theoretikers folge, um zu sehen, ob es eigentlich noch etwas Außeralltägliches gibt in der Welt, in der alles Außeralltägliche Alltägliche geworden ist. (Immer auch bereit in eine andere Richtung alleine weiterzugehen)

Was schreiben denn die Personen v.Foerster, Maturana und Glasarsfeld zum erkennenden Erkennen? Können sie ihr Erkennen erkennen? Können sie das Erkennen anderer erkennen?

Donnerstag, Mai 11, 2006

Die Ausarbeitung einiger erkenntnistheoretischer Überlegungen, die sonst nur unterschwellig vorhanden in meiner Arbeit vorkommen, ist das eine Ziel. Der
Tourismus dient mir immer noch nur als Beispielpool (in diesem Fall).

Außer das ich mit dem Blog ein niedriegeres Tempo verbinde - was durchaus praktische Vorteile mit sich bringt, wenn man auch noch andere Rollenerwartungen an einen gerichtet sind - fände ich es interessant, deine Konstruktivismuspositionen (die sich ja von der Luhmannschule anscheinend abgrenzen(sollen)) zu erfahren und so speziell, für mich neue, andere Blickwinkel zu sehen zu bekommen - und, das fand ich eine gute Idee, Differenzen zu finden. Vielleicht geht es mir auch ein bißchen darum, Differenzen finden zu lernen (in abstrakten Gebilden).

...die Luhmann-liste ist natürlich trotzdem ein interessantes Feld...

Dienstag, Mai 09, 2006

Der Parkplatz wäre ja so etwas wie der Eifelturm

An welcher Stelle siehst du das Konsistenzproblem? Eigentlich würde ich nämlich sagen, beide sind insofern gleich, als sie jeweils ein Teil einer Was-Unterscheidung sind (als bezeichnete Teile) und gleichzeitig auch vom System in dessen Wie-Unterscheidung konstruiert: als AAT Eifelturm (mit Anschlussoperationen) oder als N-AAT Parkplatz mit vorläufigem Anschlusstop.

wo wir auch schon beim nächsten Problem wären...

Vielleicht argumentierst Du innerhalb der funktionalen Systemtheorie (Luhmann-Schule), für die nur Kommunikationen beobachtenswert erscheinen?

ich muss gestehen, dass das was ich mir als Konstruktivismus konstruiere beinah ausschließlich auf die Luhmannschule zurückgeht (+dass, was irgendwo sonst noch so nebenbei aufgeschnappt wird und dass, was das eigene Gehirn dann daraus zusammenzimmert).

Ich frage mich - und dich ;-)-, was außer Kommunikation denn noch eine Rolle spielen könnte in einer Kommunikation?

Ist Konstruktivismus für Dich eigentlich eine Erkenntnistheorie oder eine reine Konstruktionstheorie?

Dann wäre meine Frage, was Konstruktivismus hier heißen könnte.

Für mich würde nämlich das eine das andere implizieren. Wenn alles konstruiert ist, wie muss ich kann ich dann Erkenntnis erkennen? Und dann benutzt man eine/die Konstruktionstheorie um das Erkenntnisproblem zu operationalisieren. Und schon steckt man in einem Henne-Ei-Dilemma.

Mit Konstruktivismus arbeiten, bedeutet für mich (im Moment), nach Differenzen zu fragen, die in Unterscheidungen liegen, die wir erkennen. Insofern würde ich auch deine Frage nach dem Sprachgebrauch verstehen. "Was ist eigentlich der Unterschied von etwas? - Warum benutzen wir verschiedene Worte? - Welche Unterscheidungen stecken in den Worten/Symbolen, die als Einheit erscheinen?"

Der Berg ist für mich so wirklich wie das Katasteramt

...aber gerade an einer solchen Behörde lässt sich doch sehr schön sehen, wie sehr diese Realität sozial konstruiert ist. Eine Behörde ist ja nicht 1*hässliches Gebäude + 1000Blatt Papier + 10Menschen mit Papieren in der Tasche, auf denen "verbeamtet" steht, sondern da wird über Kommunikation eine bestimmte Realität hergestellt.
Und das es einen Berg gibt ist für mich Realität, aber DEN Berg da draußen, den gibt es doch nicht, auch nicht DAS Matterhorn, sondern jeder hat seinen eigenen Vorstellungen davon und eine Fledermaus wahrscheinlich noch mal ganz andere. Also was meinst du damit "es gibt ihn wirklich" ? (das man nicht durchlaufen kann? etc.)

Dein Professor, der ein Buch schreibt, gibt doch noch nicht viel Neues her, oder?

Meint nur, dass wenn wir etwas beobachten, die soziale Komponente (gerade bei TEXT) die bedeutendere ist. Wenn nicht sowieso auch schon die physische Komponente sozial vermittelt ist...

Vielleicht schreibst Du mal ein paar Worte über Konstruktion

Ich beobachte das Matterhorn. Und beobachte gleichzeitig nicht Alles-andere. Dass ich aber das Matterhorn bezeichne und nicht irgendwas anderes, liegt daran wohl, dass ich bereits über Vorerfahrung die Unterscheidung Berge\Flaches Land aktiviere und ich tue das vielleicht, weil ich aus Trier komme und nach Sehenswürdigkeiten Ausschau halte. So konstruiere ich mir ein Matterhorn, eine Sehenswürdigkeit und einen Berg, wobei eine Beobachtung die andere stützt. Ich könnte aber nicht den Anfang des Beobachtungsnetzes bestimmen und ich weiß auch nicht, was genau von außen hereinspielt, was eindeutig von außen ist und nicht von mir so ausgeschnitten, ausgewählt... und ich sehe auch nicht, den blinden Fleck...

Sonntag, Mai 07, 2006

Mir geht es hier nicht darum, was wirklich der Fall ist, sondern nur darum, wie ich bestimmte Worte verwende und verstehe.

Mir geht es hier um wohl am ehesten um Konsistenzprüfung "meiner Konstruktionen". Dabei orientiere ich mich wohl schon an den Unterscheidungen brauchbar/unbrauchbar bzw. wahr/falsch. (wobei das ich zwar versuche ernst, aber nicht so wichtig zu nehmen).

Sehenswürdigkeiten ist eine etwas schwierige Geschichte (vielleicht auch weil wir uns darüber praktisch nicht einigen könnten, was sehenswürdig ist).

Wir uns persönlich vielleicht nicht - aber vielleicht doch! Denn tatsächlich ist es so, dass aufgrund irgendwelcher Programme (welche, mein persönlicher Vorschlag, mit der Unterscheidung AAT]N-AAT operieren), die im touristischen System diskutiert werden, es immer wieder Konsens darüber gibt was eine Sehenswürdigkeit ist und was nicht. Bspw. der Eifelturm gilt gemeinhin als solcher (weil ihm gewisse außeralltägliche Eigenschaften zugeschrieben werden).

Eifelturm ist konstruiert, das Matterhorn (ein berühmter Schweizer Berg) ist nicht konstruiert

Oh! Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das Matterhorn irgendwann mal damit ankam und sagte: "Ich bin das Matterhorn. Und zwar genau von hier bis da." Ohne es genau so wissen, stelle ich mir vor, dass irgendwann jemand gesagt hat: "Das sieht aus wie etwas das wir Berg nennen und im Katasteramt schreiben wir jetzt fest, dass er hier und da beginnt und aufhört. Und dieses künstliche Gebilde nennen wir Matterhorn." ... wäre für mich ein Beispiel von Konstruktion.

Ich finde interessant, wie jemand eine Sache als Parkplatz identifiziert und ein anderer als Sehenswürdigkeit.

Für das Tourismussystem gilt, dass der Parkplatz beobachtet wird und dann als außeralltäglicher Parkplatz oder als Nicht-außeralltägliche Parkplatz konstruiert wird. Und zwar direkt. Das Tourismussystem beobachtet gar nicht anders als durch diese Brille. Und weil das keine natürlichen Ding-Eigenschaften sind, sondern vom System zugeschriebene Eigenschaften, wird hier etwas "gebaut", "zusammengesetzt" ... "konstruiert".

wie muss man hinschauen, um dieses oder jenes zu sehen.

Dann werden die Konstruktionen beobachtet, die Unterscheidungen, mit denen Konstruiert wird.

weshalb Texte keine physische Gegenstände sind

Sind sie ja - zumindest in wenn man sie physikalisch beobachtet und das scheint ja eine auch (beinah) eine Konsensbeobachtung zu sein. Aber sie sind nicht nur physische Gegenstände. Einem Text wird ja auch meist eine Mitteilungs- und eine Informationskomponente zugeschrieben und wie diese verstanden wird ist ebenso eine Konstruktionsleistung, wie die physikalischen Eigenschaften zu beobachten.

>Professor schreibt Buch< }das ist der Modus physikalischer Beobachtung - aber wie beobachtet man es sozial?!

--> im wissenschaftlichen Kontext: verstehen des Buches, als wissensch. Beitrag zur Forschung
--> im ökonomischen Kontext: Prof. will sich mit Buch etwas dazuverdienen
--> im romantischen Kontext: Prof. will erotischen Zugewinn durch das Buch, dass auf dem Nachttisch hübsch platziert, Eindruck schindet
--> im bürokratischen Kontext: ein verbeamteter Prof. muss(!) schreiben

Ich habe noch nicht verstanden, was Du mit Deiner Explikation verfolgst. Sagst Du mehr als Touristen
wollen etwas nicht alltägliches sehen?


Mal schau`n. Dabei bezüglich "Was ist eine Konstruktion" wichtig:

(1.) Um etwas zu Erkennen benötigen wir eine als Einheit gefasste Unterscheidung, die bezeichnet was wir erkennen - bspw. (ALT]N-ALT)
(2.) Welche Unterscheidung verwendet wird, hängt vom Beobachter ab.
(3.) Ohne Beobachter keine Unterscheidung - ohne Unterscheidung keinen Beobachter
(4.) [ Beobachter + Unterscheidung = beobachtendes und Unterscheidung handhabendes System] vs. alles andere [NICHT DIESER Beobachter und diese Unterscheidung Handhabendes)
(5.) Unterscheidung kommt nur im System vor, es gibt für sie kein Umweltkorrelat.
(6.) Unterscheidung stellt eine Konstruktion dar

...das Touristen außeralltägliches sehen wollen war ein Nebenprodukt. Aber wir können eine Tourismussystemanalyse machen. Ich werde mir bzgl. der Fragen Sehenswürdigkeit/Langweiliges und Tourist/Terrorist Gedanken machen...

Vielleicht schreibst Du mal ein paar Worte über Konstruktion

Für mich bezeichnet eine Konstruktion

-Bezeichnetes als Folge der Benutzung einer Unterscheidung
- die auch schon beobachtet und bezeichnet wurde
- emergente Gebilde, die als Folge des Gebrauchs von Unterscheidungen entstehen, und wieder als solche verwendet werden

(...Änderungen und / oder Erweiterungen vorbehalten)

Samstag, Mai 06, 2006

...mal schauen, ob ich den Popper in Rente schicken kann...

Warum Konstruktion statt Hypothese?

??? Gute Frage! [Konstruktion # Hypothese] - ist bei mir wohl undifferenziert beobachtet worden. Werde versuchen den Unterschied klarzubekommen.

Wäre es hier nicht viel einfacher zu sagen: Die Hypothese xy ist in ihrem empirischen Gehalt falsifizierbar.

Dem würde ich auch zustimmen. Wäre einfacher...

Ja, diese Redeweise scheint mir sinnvoll: Ich konstruiere ein Maschine und die ist dann unbrauchbar.

...oder eine Sehenswürdigkeit
...oder eine Gesellschaftsbeschreibung

(ich frage mich allerdings, warum in diesem Blog immer wieder physische Phänomene (Maschinen, Türme) sofort als konstruiert einsichtig sind, kommunikative Phänomene aber nicht... Sind Maschinen per se konstruiert, oder "gebaut", "zusammengeschraubt" etc. und das wäre doch noch nicht "konstruiert", oder?

Das ist eine gute Implikation: Dazu würde ich gerne Explikationen in Form von Antworten sehen:
Wie ist diese Beobachtung möglich?


(ein Versuch:) Sie ist möglich durch den Gebrauch einer Unterscheidung. Mein Vorschlag wäre "Außeralltäglich]Alltäglich". Diese Unterscheidung wäre für das touristische System die Identitätsgrundlage - und zwar als Einheit beider Seiten, mit dem Beobachter "Tourismussystem" in der "Mitte". Ereignisse (bsp. Strand), die für diesen Beobachter wahrgenommen werden, werden dann bezüglich dieser Unterscheidung auf einer der beiden Seiten zu verortet ("Außeralltäglich") und dann bzgl. der daraus gewonnenen, systemspezifischen "Erkenntnis" ("Strand gilt als Außeralltäglich) mit Anschlüssen (In Katalogen offeriert) versehen - oder nicht. Denn das touristische System behandelt nur jenes weiter, was als Außeralltäglich gilt. Der andere Wert der Unterscheidung dient nur dazu zu bezeichnen, was nicht anschlussfähig ist. Zumindest nicht so wie es beobachtet wurde.

Die Konstruktion besteht dann in der Unterscheidung, die keine ontologische Wesensbestimmung, sondern eine vom Beobachter hergestellt Weltinterpretationsleistung ist, die nur für diese Unterscheidungsposition gilt und nicht außerhalb dieser.

Als Folge daraus, kann man dann Beobachtungen (die können aber doch in Hypothesenform formuliert sein, oder?) wohl wirklich nicht falsifizieren (was bedeuten würde, sie wären "falsch", "unwahr"), sondern nur negieren, also als Nicht-Anschlussfähig zu bezeichnen.

was überhaupt beobachtet wurde.

Es wurde beobachtet, was beobachtet wurde und dass wurde dann einer der beiden Unterscheidungswerte zugeordnet. "Parkplatz" war also keine Fehlbeobachtung, sondern nur eine Nicht-anschlussfähige Beobachtung

-----....

Was meinst Du mit "in Deiner Systemtheorie"?

bezog sich auf deinen Post vom April 25, 2006.

Donnerstag, Mai 04, 2006

Rolf schrieb: "Was aber macht das Tourismussystem, wenn es den
Turm ein 2. Mal konstruiert? Was passiert da? Welche Operationen?
"

- Es beobachtet als Tourismussystem den Eifelturm zum 1.Mal (2.Mal bezog sich auf meine Beobachtungsposition)
- Als Operationsform würde ich Kommunikation mit Bezug auf die systeminterne Codierung Außeralltäglich]Alltäglich vorschlagen

Rolf schrieb weiter: "Was gewinnen wir, wenn wir das Konstruktion bezeichnen?"

-Wir gewinnen die Einsicht in die Kontingenz der Beobachtung, als auch anders mögliche, aber so wie sie beobachtet wurde, gewollte.
Beschrieben mit systemtheoretisch-soziologischen Termini wird diese Beobachtung vergleichbar mit anderen Beschreibungen von Beobachtungen.

Rolf schrieb weiter: "Oder welche Fragen könnte man stellen, wenn man das Problem (welches?) lösen will?"

-Das Problem impliziert sich selbst. WIE ist diese spezifisch touristische Beobachtung möglich? Wieso geschieht sie? Wieso wird beobachtet, dass der Tourismus so beobachtet, wie er beobachtet? Erfüllt die Beobachtung der Beobachtung die Funktion, die sie erfüllen soll?

Rolf schrieb zuletzt: "Welche Fragen könnte man als Falsifikationsversuche auffassen?"

-1.) Gesetz: Ein schöner Strand ist ein Touristenmagnet
2.) Universeller Existenzsatz (Es-gibt-nicht-Satz): Es gibt keinen Strand, der sich nicht brauchbar zum Reisegebiet erklären (und als Folge damit: als solcher aufwendig konstruieren) lassen könnte
3.) Empirie: Nach XY fährt aber kein Tourist hin, trotz Werbetrommel und Angeboten und sonst noch was
4.) Universeller Existenzsatz (Es-gibt-doch-Satz): Es gibt doch Strände, die sich nicht-brauchbar als Reisegebiet erklären (konstruieren) lassen.
5.)Feststellung: Widerspruch zwischen 2 und 4. --> Gesetz falsifiziert --> Systeminterne Konstruktion unbrauchbar, weil an der Realität gescheitert (Lernprozess) ... oder: contrafaktische Stabilisierung der Konstruktion notwendig (irgendwas in der Realität ist nicht richtig gewesen, bspw. es wurde ein Parkplatz und kein Strand beobachtet)

{ Es ist anzunehmen, dass man eigentlich keine Konstruktionen anderer Beobachter mit Gewissheit falsifizieren kann, weil man selbst Blinde Flecken besitzt. Aber man kann doch eigene Konstruktionen als "unbrauchbar" beobachten und in der Analyse der Beobachtung anderen Beobachter feststellen können, dass deren Beobachtungen sich auch verändern können / könnten, weil sie etwas nicht sehen, was man selber aus anderer Position doch sieht. }

Rolf schrieb: "Ich weiss, was ich machen muss, wenn ich die Stahlträgerkonstruktion als Ziel vor mir habe".

- Was denn? Und was ist der Unterschied -es sei denn, dass wir es mit einem physikalischen Phänomen zu tun habe- ? Wo ist der Beobachter in Deiner Systemtheorie? Und mit welchen Mitteln beobachtest Du (Augen? Theorie? etc.)?

Mittwoch, Mai 03, 2006

Wenn wir über den Eifelturm im Modus physischer Beobachtung sprechen, dann handelt es sich wohl um eine Summe von Stahlträgern, Schrauben, Muttern etc., die nach einem bestimmten Muster, dass nach der einer Reihe von Beobachtungen abgeleitet / entwickelt worden ist, zu etwas zusammengebaut worden ist, dass etwas anderes ist, als die quantitative Summe der verbrauchten Stahlträger und Schrauben. Der Eifelturm ist gleichzeitig mehr und weniger als die Summe seiner Teile. Er stellt ein emergentes Phänomen dar: eine Konstruktion.

Wenn wir sagen, dass das Tourismussystem eine "Sehenswürdigkeit" konstruiert, dann baut / konstruiert es aus den Bestandteilen "physisches Bauwerk in Paris", "Geschichten um dieses Bauwerk", "Kulturelles Ambiente in der Gegend drumherum", "Verweis auf Authentizität" etc. einen "zweiten Eifelturm". Dieser enthält auch die baulichen Qualitäten, aber nicht nur und viele werden auch (vielleicht aus Desinteresse der Touristen) weggelassen.

Montag, Mai 01, 2006

" ...oder Konstruktion bezeichne etwas ganz anderes als etwa den Eifelturm"

Wenn "Eifelturm" eine Konstruktion ist, dann stellt sich für mich die Frage nach dem System für das er eine (und dann: WELCHE?) Konstruktion ist. Eine Sehenswürdigkeit für das Tourismussystem? Ein Bauwerk für das Bauingenieurssystem (pardon)? Ein Symbol für die Wissenschaft? Und wie kommen diese Systeme darauf? Mit welchen Theorien konstruieren sie sich ihren Eifelturm in das physikalische Vorkommnis? Und können sie mit ihren Konstruktionen nicht fehl (extra NICHT "falsch") liegen? Bspw. Der Eifelturm wird als "Sehenswürdigkeit" konstruiert(etwa in Katalogen beworben), aber niemand will ihn sehen.

Übrigens fand ich an meine Frage bzgl. der Unterscheidung "brauchbar / unbrauchbar" mit "Konstruktion / Konstrukt" / "Mechanismus / Hirngespinst" ganz gut angeschlossen.

Ich würde dir gerne bei der Frage der Sprachverwendung entgegenkommen - bedeutet das binäre Unterscheidungen als "Konstruktion"`sersatz zu suchen?