Konstruktivismus & Systeme (abgeschlossen)

Beobachter erster Ordnung beobachten w a s sie beobachten. Sie sehen alles. Alles was sie sehen. Beobachter zweiter Ordnung beobachten w i e beobachtet wird. Sie sehen auch, was die anderen nicht sehen. Deren "Blinden Fleck". Nur was sie selber nicht sehen, dass sehen sie nicht. Wie wird Realtität trotz des Wissens um Nicht-Wissen immer wieder neu stabil konstruiert? Wie kann man Realität beobachten? Und was heißt dies für das Denken?

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Ernährungssoziologe mit den Schwerpunkten: Ernährungskultur, Ernährungssoziologie, Ernährungsethnologie, Kulinarisches Kino, Agrarsoziologie, Agrarpolitik, Soziologie des Kulinarischen, Ernährungstrends, Ernährungsstile, Gesundheit & Gesundheitswahn, Medizin, Sebstvermessungstechniken, Self-Tracking, Kommunikation, Kultur, Konsum, Gastronomie // mehr Infos unter: http://www.APEK-CONSULT.de

Sonntag, April 30, 2006

In "Die Ges. der Ges." schreibt Luhmann auf S.34, dass man als Folge auf das Problem, dass man verschiedene Phänomene voneinander abgrenzen will, um sie zu erklären, man bei der Beschreibung der Merkmale dieser Phänomene, welche die Grenzen anzeigen, immer schon Begriffe benutzt, die bereits irgendWIE beobachtet und festgelegt wurden.

In der Begriffsbestimmung - die wir hier ja auch schon betreiben - und die ja innersoziologisch abläuft, liegt das selbstreferentiell konstruktivistische der Systemtheorie, womit dann fremdreferentiell orientierte Forschung betrieben wird.

Bzgl. der Techniker wäre ein Beispiel, dass es für manche maschinenbauerischen Vorhaben ausreicht, dem Modell des Newtonschen Zeit- und Raumbegriff zu folgen,man dieses in der Schule auch vermittelt bekommt, weil es halt "verständlich" ist und auch "noch brauchbar", aber an sich seit Einstein "widerlegt" ist.

Die Soziologie, spontan geantwortet, will Kommunikation durch Kommuniaktion beschreiben, und liefert vergleichbare Erklärungen.

Samstag, April 29, 2006

Unsicher ob ich jetzt eine konstruktiven Anschluss an vorhergesagtes finde, würde ich feststellen, dass Luhmann bzgl. des operativen Konstruktivismus immer wieder "Selbstreferenz" (was rechnet das System sich selbst zu) und "Fremdreferenz" (was rechnet es seiner Umwelt zu -- obwohl es selbiges nur intern entwickelt haben kann) unterscheidet und beides als innersystemisch verortet (als Unterscheidungen) in Abrgenzung (Differenz) zu seiner undurchschaubaren Umwelt.

Ich könnte mir gerade vorstellen, dass die "allgemeine" Systemtheorie tatsächlich, wie du schreibst, eine Theorie des Erklärens ist, die Luhmann aber - als Soziologe - für die Soziologie konstruktiv verwendbar gemacht hat und es deshalb zu einer augenscheinlichen Vermischung kommt, aber es schon differentes ist. Nämlich Systemtheorie als Selbstreferenz und Soziologie als Fremdreferenz.

Gibt es in deiner Systemtheorie die Begriffe Selbst- und Fremdreferenz?

Donnerstag, April 27, 2006

Die Unterscheidung [Konstrukt = Hirngespinst] vs. [Konstruktion = konstruktiver Mechanismus] finde ich okay. Ist für mich aber irgendwie „nur“ (klar, keine Frage, das ist natürlich schon eine Leistung!!) eine Definition.

>> Ich muss jetzt doch noch mal schnell das „Problem lösen“ ansprechen, weil das – so kommt es mir vor – immer der Ausgangspunkt ist (ohne Probleme würde ich mich auf die gebratenen Tauben, die herumfliegen, konzentrieren).
Die Soziologie löst das Problem, dass sie alles Soziale erklären soll. Sie löst es mit der Konstruktion von Theorien (white-colours) und dem analysieren von sozialen Phänomenen (blue-colours). Sie löst NICHT die beobachteten Phänomene, so wie der Maschinenbauer nicht die Schwerkraft auflöst, sondern ein Konstrukt in eine Welt voller Schwerkraft stellt. Nur sind manche Konstruktionen, die leicht im Alltag von jedermann zu bedienen sind, von Maschinenbauern sehr offensichtlich vom Absender „Maschinenbauer“, während solch einfache Konstruktionen aus der Soziologie dem „Feuilletonjournalismus“ oder „Schriftstellern“ zugeschrieben werden. Die Texte, die als physisches Kondensat bei der soziologischen Analyse rauskommen, sind dann Angebote in denen vertraute „Wie“ Phänomene, anders (vielleicht „besser“) verständlich werden und mit anderen „Wie“ – Möglichkeiten verglichen werden können.

Gemeinsam ist Soziologen wie Maschinenbauern auch, dass sie eigentlich nicht richtig perfekt arbeiten, sondern immer wieder sich herausstellt, dass manche Konstruktionen nur Konstrukte sind und oder im Laufe der Zeit zu solchen werden. So gesehen wäre der Eifelturm eine Konstruktion und der Turm(bau) von Babel ein Konstrukt.

(übrigens lese ich gerade zwei deiner Hypertext-Texte)

Mittwoch, April 26, 2006

Ja vielleicht ist mein Wissen, über das was Techniker machen, zu gering, obwohl ich in der Familie zwei Personen in Interaktionsnähe habe, die regelmäßig in Technikkommunikationen verwickelt sind(Maschinenbauer und angehende Physikerin) und die ich auch in Kommunikationen bzgl. dieses "Systems" (ich sag das jetzt mal sehr salopp) zu beobachten versuche.

Mit Problemlösen meinte ich etwas in der Richtung von "unter Zeitdruck eine Entscheidung bzgl. eines Problems treffen, mit den damit verbundenen Nachteilen". Das wäre bei Technikern: "Wir bauen einen Eifelturm, damit man hoch über der Erde stehen kann - und zwar so und so bauen wir den, aber er wird alle x Monate restauriert und alle x Jahre komplett überarbeitet werden müssen, sonst kracht er zusammen" und bei Soziologen: "Wir beschreiben Kommunikation in einer an Wahrheit orientierten Kommunikation, wofür wir folgende Werkzeuge (Wörter, Methoden, Messverfahren...) verwenden, mit der Folge, dass diese Analyse in x Monaten.... s.o. ... sonst ist sie veraltet".

...ich lasse die ANDEREN Gemeinsamkeiten nicht aus den Augen; als da wären bspw., dass beide Werkzeuge benutzen, beide Umweltkomplexität reduzieren wollen, um ihre eigenen Outputs in die Umwelt zu stellen und auch selbst wieder auf diese zu reagieren (noch höhere Türme bauen, noch mehr Differenzen in Kommunikationen finden). Sicher gibt es noch mehr, noch konstruktivere - ich denk weiter nach...

Was sind Deiner Meinung nach "Erklärungen" von Technikern? ... oh! ich merke gerade, dass ich zu zweifeln beginne zu wissen, was DEN Techniker ausmacht... (das er Techniken entwirft? Was sind Techniken?)

Montag, April 24, 2006

Unter welchen Umständen bzw. was müsste gegeben sein, damit du sagen würdest, dass etwas kein Konstrukt ist?

Für mich haben Techniker und Soziologen einiges gemeinsam, aber ich rechne das meiner Beobachtung von ihnen zu. Und diese zeigt mir an, dass beide mit Problemen einer Realität zu kämpfen haben, die nicht von sich aus das geschehen lässt, was beide, in ihren jeweiligen Bereichen wollen ("Eifeltürme in Paris stehen lassen" und "Analysen für Kommunikationsphänomene parat stellen"). Und so bedienen sie sich Konstruktionen um in einer nicht-kontrollierbaren Realität zurechtzukommen.
Klar, jetzt ist immer noch nicht klar, was eine Konstruktion eigentlich ist. Aber können die Metaphern die wir zur Beschreibung verwenden, nicht den Begriff "Konstruktion" als Irritationsgemisch zum Beobachtereigenen Gebrauch bereithalten.

...oder sollte ich doch erst einmal konkrete einzelne Gemeinsamkeiten von Technikern und Soziologen durchgehen, um zu "besseren" Ansätzen zu kommen?

Sonntag, April 23, 2006

Also wenn ich nicht sagen kann, was eine Konstruktion ist, weil das, als was sie erscheint, sie immer nur von einer Beobachterwarte aus gesehen ist, dann will ich mich der Deutung von Konstruktion über ihre Funktion die sie erfüllen muss, damit ich etwas als Konstruktion bezeichne, nähern. Und da schreibt Luhmann in "Die Realität der Massenmedien" auf S.19, dass Konstruktionen benötigt werden, um die primäre Realität von beobachterinternen Kognitionen, die bei der Anwendung / Überprüfung Inkonsistenzen nach sich ziehen, zu stützen und ihnen zu erfolgreichen Konsistenzprüfungen zu verhelfen. Also wenn einmal ein "Eifelturm" und ein anderes mal eine "Abtei Cluny" beobachtet wird, konstruiere ich mir das Konstrukt "Ich bin auf einer Fahrt durch Frankreich". - Das geht jetzt wohl in die Richtung was konstruiert wird.
Und ist das Wie nicht immer abhängig vom konstruierenden System (Soziologie, Tourismus, Technik etc.) ?

Freitag, April 21, 2006

Mir ist nicht ganz klar, warum ein Text nur die physikalisch messbaren Eigenschaften besitzen soll. Wenn es tatsächlich ein Text sein sollte (und nicht einfach nur, nicht weiter unterscheidbareres als "Graphit auf Papier"), dann sollte er ein Kommunikationsangebot mitführen. (ist das zu onthologisch?)
Sicher verweist der Text auch immer gleichzeitig auf alles andere, was nicht Text ist und trotzdem damit er Text wird auch "am Horizont" / "im Hintergrund" präsent ist.
Mir ist auch nicht klar, warum eine "Fahrt durch Frankreich" kein Konstrukt sein soll. "Frankreich" ist als Nation (für mich) offensichtlich ein Konstrukt und "Fahrt" könnte man ja auch unterschiedlich beobachten, etwa, dass man genügend Energie aufbringt, um sich im "Kosmos" nicht vom Fleck zu bewegen, während die Erde unter einem sich dreht. ... nicht dass das immer funktional wäre, aber möglich... ?!? ;-)

Mittwoch, April 19, 2006

Wenn ich schreibe, dass meine soziologische Realtität konstruiert ist und ich das Wort durch eine Beschreibung ersetzen müsste, dann würde ich bezüglich der Soziologie - jetzt erst einmal vorsichtig - annehmen, dass ich beschreibe wie Beschreibungen etwas bestimmtes (also von anderem unterschiedenes) beschreiben. Als Soziologe liegt das Erkenntnisinteresse auf sozialen Phänomenen, also Beschreibungen, die sich selbst durch Kommunikation schreiben.
Wobei ich die ganze Zeit mitlaufen lassen muss, zu beobachten und zu beschreiben wie ich (bzw. die Soziologie) beobachte und beschreibe. Weil ich ja eigentlich gerade durch meine soziologische Form der Beobachtung und Beschreibung erst das unterscheide, was ich beobachte und beschreibe und es auch dieses erst dann wirklich gibt. Nämlich für die Soziologie / mich.
Jetzt, vorerst, bedeutet das spezifisch konstruktivistische an der Soziologie für mich: Das sie, weil sie mit Kommunikation über Kommunikationen kommuniziert, eigentlich sich selbst kommuniziert - und dabei, damit es auch weiterläuft, nach neuen Unterscheidung ausschau hält.
Wenn im Konstruktionsbüro Türme konstruiert werden, dann am Soziologenschreibtisch Text über Text.

Dienstag, April 18, 2006

Eröffnung & erste Konstruktionsversuche

Mein Interesse an diesem Blog ist es – unter anderem – Kommunikationen über Konstruktivismus und Systeme zu produzieren und sie einem Widerstand auszusetzen. Daran würde sich meine erste Frage anschließen: Werden und können Konstruktionen „falsifiziert“ werden und ist das d i e Methode um brauchbare von unbrauchbaren Konstruktionen zu trennen? Ist brauchbar / unbrauchbare überhaupt eine brauchbare Unterscheidung für dieses Problem?

In „Soziale System“ schreibt Luhmann (S.30), dass sich das Erkenntnisinteresse der Systemtheorie auf reale Systeme in einer wirklichen Welt bezieht. Sicher handelt es sich dabei um Systeme, die für die Systemtheorie real sind, wie Farben für die menschliche optische Wahrnehmung real sind. Das heißt, dass diese Realität Beobachterabhängig ist, sie ist „systemrelevant, aber gleichwohl objektiv“ (SS. 244). Sind Beobachtungen dann auch für Außenstehende nachvollziehbar? Wenn ja, müssen sie dann aber die beobachtungsrelevanten Positionen zu verstehen versuchen?