Konstruktivismus & Systeme (abgeschlossen)

Beobachter erster Ordnung beobachten w a s sie beobachten. Sie sehen alles. Alles was sie sehen. Beobachter zweiter Ordnung beobachten w i e beobachtet wird. Sie sehen auch, was die anderen nicht sehen. Deren "Blinden Fleck". Nur was sie selber nicht sehen, dass sehen sie nicht. Wie wird Realtität trotz des Wissens um Nicht-Wissen immer wieder neu stabil konstruiert? Wie kann man Realität beobachten? Und was heißt dies für das Denken?

Donnerstag, Dezember 21, 2006

Ende auf`m Gelände

Nachdem Rolf sich selbstexkludiert hat, sehe ich den Blog als abgeschlossen an.

Ich denke wir haben hier im Ansatz gezeigt, wie groß selbst die inner-konstruktivistischen Differenz-/Kontingenzspielräume seien können. Letztlich, so so scheint es mir, ist es zwischen Rolf und mir auf die Differenz eines von der "Systemtheorie" beeinflussten und interpretierten Konstruktivismus (Daniel) und der eines eher praktisch-handlungstheorieorientierten Konstruktivismus (Rolf) hinausgelaufen.

Ich bedanke mich auf jeden Fall bei Rolf für viele seiner Denkanstöße und das Thema bleibt für mich sicher aktuell.

...let`s go...

Donnerstag, Juni 01, 2006

Selbst-Exlusion ist ja an sich kein neues Phänomen (bspw. Mönche).

Man kann wohl auch davon ausgehen, dass es sowieso nur eine geringe Anzahl von Individuen sind, die Zettelkästen erstellen und benutzen. Vielleicht liegt in dieser Gruppe zum einen Hang zur Geheimhaltung von bestimmten Schriftstücken vor, zum anderen auch das Wissen, dass Kommunikationsangebote (ins Netz gestellte Texte), doch gerne auf bestimmte Personen/Adressen zurückgerechnet werden.

Einmal geschriebenes/gesagtes/veröffentlichtes ist aber wiederum so selbstständig, dass wenn es erst einmal raus ist, eigentlich nicht mehr vom Absender kontrolliert werden kann. Kommunikation kommuniziert sich dann doch sehr schnell selbst...

Nichts desto trotz finde ich das Internet, den Hypertext und die Digitalisierung von Text und Kommunikation auch enorm funktionstüchtig und es liegt, so mein Eindruck, dabei ein Medium vor, dessen Formmöglichkeiten noch nicht ausgereizt sind.

Mittwoch, Mai 31, 2006

Ich habe meinen Zettelkasten im Internet.
www.hyperkommunikation.ch/lexikon
Ich frage mich oft, warum das andere Leute nicht tun.

Bibliotheken sind meines Erachtens eine Museum-Form, Bücher gehören ins letzte Jahrtausend. Die heutige Form ist das Internet (das Jahrtausend ist halt erst 5 Jahre alt). Der Unterschied, den ich erkenne, besteht darin, dass Bibliotheken einer Person gehören, während das Internet nicht zurechenbar ist. Im Internet kann ich zwar auch einzelne Hypertextteile auf Personen zurechnen, aber der Hypertext als ganzes ist autonom. Die Strukturierung ist nicht zurechenbar, sondern autopoietisch.

Die Wikipedia ist ein eingentümlicher Zwitter, der innerhalb der Autonomie wieder zurechenbare Regelungen sucht, quasi ein re-entry.

Aber meine Frage betrifft mehr die Sicht der individuelle Subjekte, die ihre Zettel privat und individuell halten und so Selbst-Exklusion betreiben.

Dienstag, Mai 30, 2006

Einen Zettelkasten mit lauter auf sich selbst verweisenden Querverweisen habe ich auch. Der besteht aber ausschließlich aus Zitaten (+Literaturhinweis).

Der "Form der Differenz"-Zettel dagegen ist für mich eine andere Methode Theoriewissen zu prozessieren, indem ich von mir überlegtes (natürlich aus anderem herausunterschiedenes) in einem Kontext verfügbar mache und diesen + weiterführende Literatur zu dem Thema anwähle, wenn ich auf der Suche bin. Dank elektronischer Suchmaschinen ist es ja kein Problem mehr, nach Stichwörtern in vielen Dokumenten/Zetteln zu suchen.

Bibliotheken sind für mich auch riesige Zettelkästen. Das Internet ist auch einer. Beide sind natürlich individuell nutzbar und führen so zu individuellen Ergebnissen, eigene Zettelkästen enthalten halt auch individuelle Strukturierungen und die Querverweise sind ja auch immer auf den Ersteller zuzurechnen. Das könnte sich aber mit dem Digitalisieren von Büchern und dem öffentlich zugänglichmachen dieser Texte auch ändern. ... Im Zuge von immer einfacherer Digitalen Videobearbeitung könnte es ja auch visuelle Zettel-/Videokästen geben...

Samstag, Mai 27, 2006

Ich frage mich, was Zettelkasten alles heissen kann. Wenn ich Deinen letzten Beitrag anschaue und ihn als Antwort auf meinen Wunsch nach Einblick in Deinen Zettelkasten lese ...
ja dann mache ich sehr viele Annahmen - und aufgrunde dieser vielen Annahmen nur, lese ich einen Zettel und merke, dass ich mir die Zettel anders vorstelle. Ich merke, dass Zettel fast alles sein können. Meine Zettel sind noch sehr untentwickelt, weil sie nur auf sich selbst verweisen und praktisch keine Literaturangaben und keine Zitate enthalten.

Eine fruchtbare soziologische Arbeit könnte wohl sein, zu erheben, welche Zettelkasten weshalb wie aufgebaut werden? Als grösste Zettelkasten würden vielleicht Bibliotheken fungieren?

Aber ich wüsste auch gere, wie einzelne Menschen sich diesbezüglich organisieren.

Ist Dein Beitrag "Form dre Differenz" als Zettel gedacht, und wenn ja, welche Logik steckt hinter dem Zettel?

Freitag, Mai 26, 2006

Die Form der Differenz

Man sagt "Wahrheit" und meint gleichzeitig "Unwahrheit" mit. Man spricht von "Informiertheit" und verweist auf "Unsicherheit". Man schreibt "Erfüllung" und schreibt "Enttäuschung" gleich mit. "Inklusion" verweist auf "Exklusion" und nicht auf "mehr oder weniger Inklusion". Von den Idealtypen mit nur einem Variablenwert verabschieden wir uns und unterscheiden - wild in den Raum / die Welt - und bezeichnen die Form mit den zwei Seiten.



Die vertikale Linie unterscheidet zwei Seiten, die horizontale Linie bezeichnet eine (nur eine!) der beiden Seiten. Doch das die eine Seite bezeichnet/beobachtet wird, lässt die andere nicht verschwinden, sondern macht sie zu "der anderen" Seite.

[Eine funktional sehr gute Unterscheidung ermöglicht es, alle unendlichen Möglichkeiten des Weltgeschehens auf einer der beiden Seiten zu verorten. Eine Erwartung ist entweder "Erfüllt" oder "Enttäuscht", aber es gibt keine Bandbreite mehr, nur noch: das ausgeschlossene Dritte: den Beobachter. So das eine Erwartung für BeobachterA zwar eine Enttäuschung, für BeobachterB aber eine Erfüllung darstellt.]

Das die eine Seite der Form auf die andere verweist, macht sie zu einer selbstbezüglichen Form. Aus der Möglichkeit die Seiten der Bezeichnung zu wechseln, ergibt sich eine Operationsmöglichkeit, die allerdings auf Zeit angewiesen ist, da man zwar mit "Inklusion" auf "Exklusion" verwiesen hat, aber doch "Inklusion" beschreibt, was zwar auch die Seite der "Exklusion" verändert (indem sich für diese Seite alles das verändert, was eine Bedeutung für "Inklusion" besitzt) aber nicht beschrieben wird, was eine Bedeutung für "Exklusion" darstellt.

Gerade das "Bedeutung haben" ist aber kein Identitätsfaktor für die zweiseitige Form mit der Grenze in der Mitte der beiden Seiten aufeinander verweisen, sondern die Form,die aufgrund ihrer Selbstbezüglichkeit bistabil ist, wird mit der Möglichkeit ihre beiden Seiten zu kreuzen, in Operationen angewandt. Und erst durch diesen Gebrauch, bestimmen sich beobachtete Phänomene im Lichte des Beobachters (der diese eine bestimmte Form benutzt). Identitäten liegen nicht in den Phänomenen, sondern werden ihnen zu geschrieben.



Die Einheit der Unterscheidung - und da hat Luhmann auch noch mal den Kontrast zu Hegel hervorgehoben - kann die Form nicht selbst realisieren (Hegels "Begriff" kann das wohl, durch einen höheren, geistigen Sinn). Ihre Einheit liegt in dem, am Anfang erwähnten, wilden Unterscheiden, dass das Unterscheiden eines Beobachters ist. Will man die komplette Form negieren, braucht man eine nächste Unterscheidung, in die diese Einheit der Unterscheidung als eine Seite der Unterscheidung miteingeht. (Aber selbstverständlich ist auch diese "nächste" Unterscheidung, wieder nur eine Seite einer Unterscheidung).



Wenn es nun zu einem Entfalten des zirkulären Aufeinaderverweisens kommt, sprechen wir von reentry: Der Einstig der Form in die Form selbst. Es kommt dann dabei zu Erkenntnissen, wenn Redundanzen, d.h. Wiedererkennbares erzeugt wird. Das muss ebenfalls nicht bedeuten, dass ein äußeres Phänomen bestimmte Eigenschaften besitzt, aber das System der Form der Unterscheidung errechnet immer wieder gleiches auf bestimmte Eigenaktionen und kann daraufhin Erwartungen (=Strukturen) bilden.


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Literatur:

Luhmann, Niklas: Die Unterscheidung von System und Umwelt; in: ders.: Die Ges. der Ges.
Luhmann, Niklas: Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus; in: ders.: Soz. Aufklärung5
Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien

Montag, Mai 22, 2006

Theorie muss Vergleichsmöglichkeiten eröffnen, dass tut sie, indem sie die Überkomplexität der Welt in eine niedrigere Komplexität überführt.

Ich versuche eine Umformulierung (IST statt MUSS)
Eine Theorie eröffnet Vergleichsmöglichkeiten, indem sie Komplexität reduziert.

Weiter kann man sagen, dass eine selbstreferentielle Theorie, die sich auch selbst zum eigenen Problem macht, sich immer nur als Resultat von Differenzierungen begreifen muss.

IST statt MUSSS:
Eine Theorie begreift sich als Resultat von Differenzierungen.

Dafür gewinnt sie dabei die Möglichkeit, den Anspruch so erheben, auf ihre Art und Weise (systemspezifisch) alles (soziale in der Soziologie) erklären zu können.

Die Theorie kann (Möglichkeit) alles erklären.


Ich habe ein wenig in den Beiträgen von v.Glasersfeld und v.Foerster in dem Buch "Einführung in den Konstruktivismus" gelesen und es erscheint mir ...

Ich habe "es" so und so gelesen. Das "es" IST das "so und so", weil meine Leseweise diese Verknüpfung produziert. "Der Leser bestimmt die Bedeutung" ist ein Standardtext in der konstruktivistischen Literatur. Die Frage ist, wie ich diesen Text lese.

Ich lese die Texte von E. von Glasersfeld und H. von Foerster "anders", was eben auf Kontigenz hindeutet, die wir durch unsere verschiedenen Leseweisen explizit machen.

Ich würde mich freuen, wenn ich Deinen Zettelkasten der Differenzierungen lesen könnte. Auch auszugsweise in diesem Blog. Wobei ich Zettel meine, die in einem Kasten sind, und nicht einfach alles, was Du irgendwo schreibst. Denn ich finde die Idee des Zettelkasten auch Spitze.
Es wäre wunderbar, wenn Du (vielleicht??) anfangen würdest.
Dann könnten wir unsere Einträge vergleichen (vielleicht sogar ohne eine Theorie zu bemühen, die das Vergleichen möglich machen muss).