Konstruktivismus & Systeme (abgeschlossen)

Beobachter erster Ordnung beobachten w a s sie beobachten. Sie sehen alles. Alles was sie sehen. Beobachter zweiter Ordnung beobachten w i e beobachtet wird. Sie sehen auch, was die anderen nicht sehen. Deren "Blinden Fleck". Nur was sie selber nicht sehen, dass sehen sie nicht. Wie wird Realtität trotz des Wissens um Nicht-Wissen immer wieder neu stabil konstruiert? Wie kann man Realität beobachten? Und was heißt dies für das Denken?

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Ernährungssoziologe mit den Schwerpunkten: Ernährungskultur, Ernährungssoziologie, Ernährungsethnologie, Kulinarisches Kino, Agrarsoziologie, Agrarpolitik, Soziologie des Kulinarischen, Ernährungstrends, Ernährungsstile, Gesundheit & Gesundheitswahn, Medizin, Sebstvermessungstechniken, Self-Tracking, Kommunikation, Kultur, Konsum, Gastronomie // mehr Infos unter: http://www.APEK-CONSULT.de

Donnerstag, Dezember 21, 2006

Ende auf`m Gelände

Nachdem Rolf sich selbstexkludiert hat, sehe ich den Blog als abgeschlossen an.

Ich denke wir haben hier im Ansatz gezeigt, wie groß selbst die inner-konstruktivistischen Differenz-/Kontingenzspielräume seien können. Letztlich, so so scheint es mir, ist es zwischen Rolf und mir auf die Differenz eines von der "Systemtheorie" beeinflussten und interpretierten Konstruktivismus (Daniel) und der eines eher praktisch-handlungstheorieorientierten Konstruktivismus (Rolf) hinausgelaufen.

Ich bedanke mich auf jeden Fall bei Rolf für viele seiner Denkanstöße und das Thema bleibt für mich sicher aktuell.

...let`s go...

Donnerstag, Juni 01, 2006

Selbst-Exlusion ist ja an sich kein neues Phänomen (bspw. Mönche).

Man kann wohl auch davon ausgehen, dass es sowieso nur eine geringe Anzahl von Individuen sind, die Zettelkästen erstellen und benutzen. Vielleicht liegt in dieser Gruppe zum einen Hang zur Geheimhaltung von bestimmten Schriftstücken vor, zum anderen auch das Wissen, dass Kommunikationsangebote (ins Netz gestellte Texte), doch gerne auf bestimmte Personen/Adressen zurückgerechnet werden.

Einmal geschriebenes/gesagtes/veröffentlichtes ist aber wiederum so selbstständig, dass wenn es erst einmal raus ist, eigentlich nicht mehr vom Absender kontrolliert werden kann. Kommunikation kommuniziert sich dann doch sehr schnell selbst...

Nichts desto trotz finde ich das Internet, den Hypertext und die Digitalisierung von Text und Kommunikation auch enorm funktionstüchtig und es liegt, so mein Eindruck, dabei ein Medium vor, dessen Formmöglichkeiten noch nicht ausgereizt sind.

Dienstag, Mai 30, 2006

Einen Zettelkasten mit lauter auf sich selbst verweisenden Querverweisen habe ich auch. Der besteht aber ausschließlich aus Zitaten (+Literaturhinweis).

Der "Form der Differenz"-Zettel dagegen ist für mich eine andere Methode Theoriewissen zu prozessieren, indem ich von mir überlegtes (natürlich aus anderem herausunterschiedenes) in einem Kontext verfügbar mache und diesen + weiterführende Literatur zu dem Thema anwähle, wenn ich auf der Suche bin. Dank elektronischer Suchmaschinen ist es ja kein Problem mehr, nach Stichwörtern in vielen Dokumenten/Zetteln zu suchen.

Bibliotheken sind für mich auch riesige Zettelkästen. Das Internet ist auch einer. Beide sind natürlich individuell nutzbar und führen so zu individuellen Ergebnissen, eigene Zettelkästen enthalten halt auch individuelle Strukturierungen und die Querverweise sind ja auch immer auf den Ersteller zuzurechnen. Das könnte sich aber mit dem Digitalisieren von Büchern und dem öffentlich zugänglichmachen dieser Texte auch ändern. ... Im Zuge von immer einfacherer Digitalen Videobearbeitung könnte es ja auch visuelle Zettel-/Videokästen geben...

Freitag, Mai 26, 2006

Die Form der Differenz

Man sagt "Wahrheit" und meint gleichzeitig "Unwahrheit" mit. Man spricht von "Informiertheit" und verweist auf "Unsicherheit". Man schreibt "Erfüllung" und schreibt "Enttäuschung" gleich mit. "Inklusion" verweist auf "Exklusion" und nicht auf "mehr oder weniger Inklusion". Von den Idealtypen mit nur einem Variablenwert verabschieden wir uns und unterscheiden - wild in den Raum / die Welt - und bezeichnen die Form mit den zwei Seiten.



Die vertikale Linie unterscheidet zwei Seiten, die horizontale Linie bezeichnet eine (nur eine!) der beiden Seiten. Doch das die eine Seite bezeichnet/beobachtet wird, lässt die andere nicht verschwinden, sondern macht sie zu "der anderen" Seite.

[Eine funktional sehr gute Unterscheidung ermöglicht es, alle unendlichen Möglichkeiten des Weltgeschehens auf einer der beiden Seiten zu verorten. Eine Erwartung ist entweder "Erfüllt" oder "Enttäuscht", aber es gibt keine Bandbreite mehr, nur noch: das ausgeschlossene Dritte: den Beobachter. So das eine Erwartung für BeobachterA zwar eine Enttäuschung, für BeobachterB aber eine Erfüllung darstellt.]

Das die eine Seite der Form auf die andere verweist, macht sie zu einer selbstbezüglichen Form. Aus der Möglichkeit die Seiten der Bezeichnung zu wechseln, ergibt sich eine Operationsmöglichkeit, die allerdings auf Zeit angewiesen ist, da man zwar mit "Inklusion" auf "Exklusion" verwiesen hat, aber doch "Inklusion" beschreibt, was zwar auch die Seite der "Exklusion" verändert (indem sich für diese Seite alles das verändert, was eine Bedeutung für "Inklusion" besitzt) aber nicht beschrieben wird, was eine Bedeutung für "Exklusion" darstellt.

Gerade das "Bedeutung haben" ist aber kein Identitätsfaktor für die zweiseitige Form mit der Grenze in der Mitte der beiden Seiten aufeinander verweisen, sondern die Form,die aufgrund ihrer Selbstbezüglichkeit bistabil ist, wird mit der Möglichkeit ihre beiden Seiten zu kreuzen, in Operationen angewandt. Und erst durch diesen Gebrauch, bestimmen sich beobachtete Phänomene im Lichte des Beobachters (der diese eine bestimmte Form benutzt). Identitäten liegen nicht in den Phänomenen, sondern werden ihnen zu geschrieben.



Die Einheit der Unterscheidung - und da hat Luhmann auch noch mal den Kontrast zu Hegel hervorgehoben - kann die Form nicht selbst realisieren (Hegels "Begriff" kann das wohl, durch einen höheren, geistigen Sinn). Ihre Einheit liegt in dem, am Anfang erwähnten, wilden Unterscheiden, dass das Unterscheiden eines Beobachters ist. Will man die komplette Form negieren, braucht man eine nächste Unterscheidung, in die diese Einheit der Unterscheidung als eine Seite der Unterscheidung miteingeht. (Aber selbstverständlich ist auch diese "nächste" Unterscheidung, wieder nur eine Seite einer Unterscheidung).



Wenn es nun zu einem Entfalten des zirkulären Aufeinaderverweisens kommt, sprechen wir von reentry: Der Einstig der Form in die Form selbst. Es kommt dann dabei zu Erkenntnissen, wenn Redundanzen, d.h. Wiedererkennbares erzeugt wird. Das muss ebenfalls nicht bedeuten, dass ein äußeres Phänomen bestimmte Eigenschaften besitzt, aber das System der Form der Unterscheidung errechnet immer wieder gleiches auf bestimmte Eigenaktionen und kann daraufhin Erwartungen (=Strukturen) bilden.


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Literatur:

Luhmann, Niklas: Die Unterscheidung von System und Umwelt; in: ders.: Die Ges. der Ges.
Luhmann, Niklas: Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus; in: ders.: Soz. Aufklärung5
Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien

Sonntag, Mai 21, 2006

Die Idee mit dem Glossar finde ich spitze! Werde vielleicht beginnen (m)einen elektro-Zettelkasten dazu zu machen. Denn eine einheitliche Begriffsverwendung finde auch wichtig, denn ...

...Theorie muss Vergleichsmöglichkeiten eröffnen, dass tut sie, indem sie die Überkomplexität der Welt in eine niedrigere Komplexität überführt.
Weiter kann man sagen, dass eine selbstreferentielle Theorie, die sich auch selbst zum eigenen Problem macht, sich immer nur als Resultat von Differenzierungen begreifen muss. Dafür gewinnt sie dabei die Möglichkeit, den Anspruch so erheben, auf ihre Art und Weise (systemspezifisch) alles (soziale in der Soziologie) erklären zu können. (<-- Ich habe hierfür auf das Vorwort von Luhmanns "Soziale Systeme" zugegriffen. )

Ich habe ein wenig in den Beiträgen von v.Glasersfeld und v.Foerster in dem Buch "Einführung in den Konstruktivismus" gelesen und es erscheint mir - so als neuling in den schriften dieser autoren - doch so, als würde es ihnen um eine Erkenntnis-/Wissenstheorie gehen, zumindest lese ich das - aus dem dauernden Hinzuziehen und Absetzen von älteren/anderen Theorien (auch des Subjektivismus/Objektivismus)und dem dagegenformulierten anderen Herangehens-/Beobachtungsweisen - heraus.

Donnerstag, Mai 18, 2006

Auch Luhmann schreibt vom Mitteilenden Alter (der Informationen mitteilt) und Adressat Ego (der versteht und dabei mitteilung und information unterscheidet).

Mit Schreiber/Leser wollte ich dir einen mehrdeutigen Anschlusspunkt zur Verfügung stellen... hat wohl nicht geklappt.

Nicht nur das Idealismus und Konstruktivismus beides Erkenntnistheorien sind, benutzen auch beide die Unterscheidung zwischen Beobachter und Phänomen (während der Objektivismus versucht ein Phänomen von dessen Uweltereignisse isoliert zu betrachten), während der Idealismus aber versucht, eine Einheit durch Dialektik zu finden, während der radikale Konstruktivismus eine Einheit der Unterscheidung von "Erkennen und Erkanntem" als Differenz konstruiert.

Subjektivismus und Konstruktivismus wird nun vielleicht unterstellt, dass sie beide ihren blinden Fleck im Beobachter suchen.

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Ach ja, meine Theorie ist Theorie so wie ich sie kommuniziere.... und deswegen würde ich sie immer noch gerne auf Konsistenz prüfen... (obwohl es meiner Ansicht nach eigentlich nicht "meine/deine" Theorie gibt... sondern Theorie wird kommuniziert und wird jenseits von mir/dir diskutiert)
... und wo es für dich langgeht, bestimmst wohl nur du selbst...

Mittwoch, Mai 17, 2006

Ja, mal schauen was "es" (oder "sie") dazu zu Tage bringt...

Die Sender-Empfänger - Metapher ist sicher wenig sinnvoll. Da ja eigentlich nichts abgeben oder gesendet wird(außer vielleicht die von dir erwähnten Elektroimpulse). Besser wäre sicherlich von Schreiber und Leser zu sprechen. Wobei beide sicherlich gleichzeitig Leser eines Post sind, aber nicht Schreiber.

Sozial wäre wohl, dass es auf beide ankommt in diesem Blog. Würde ich mich nur mit mir alleine befassen, würde ich vielleicht denken oder fühlen, aber nicht "kommunizieren", was im Verhältnis zum Denken oder Fühlen ganz andere Möglichkeiten und Einschränkungen mit sich bringt.

Gesellschaft würde ich als einen Kommunikationshorizont beschreiben, auf den die einzelnen Kommunikationsbeiträge verweisen, indem sie so stattfinden können, wie sie stattfinden. Dabei würde ich nicht sagen, dass die einzelnen Kommunikationen nur so stattfinden können wie sie stattfinden, aber sie können nicht unendlich viele Möglichkeiten realisieren.

Dann könnte man vielleicht sagen, dass, wenn Sprache nicht nicht-sinnvoll benutzt werden kann (...ich weiß gerade nicht: Sind Paradoxe nicht doch "nicht-sinnvoll", bis sie entfaltet werden?), die Gesellschaft einen Sinnhorizont zur Verfügung stellt, in dem einzelne Kommunikationen ihre Sprachverwendung mit speziellen Sinnselektionen verwenden können.

...

Erklärungen bilden einen Pool für weitere Erklärungen, meinetwegen auch für solche, die die ersten widerlegen. Warum dass so ist weiß ich nicht. Aber interessant ist, dass verstanden wird (daran anzuschließen) und "wie" wir das machen. Und das wie, um das geht es doch hier... "Wie werden welche Begriffe benutzt?"

...

eine völlig andere Frage an den "Radikalen Konstruktivisten": Wo liegt deiner Ansicht nach eigentlich der Unterschied Subjektivismus/Idealismus zum radikalen Konstruktivismus?